THE BIJAGOS

MATRIARCHAL STRUCTURES IN GUINEA-BISSAU

 

The bijagós are a West African people who inhabit the Bijagós archipelago along the coast of Guinea-Bissau. The tropical archipelago consists of eighty-eight islands, only twenty of which are inhabited. The other islands are sacred land.

These photographs were taken on the islands of Canhabaque, Bubaque, Joao Vieira, Meio, Uno and Poilao.

The people there live in small villages and dwell in small adobe houses with thatched roofs.

 

There are still matriarchal patterns prevailing in the Bijagós society.

Women own the houses, take care of the family and organize the work. 

Women choose their husbands. Once they have decided on a man, they place a bowl of rice in front of the hut of his family. If it is consumed, that is a sign of acceptance of the marriage proposal. Dissolution of marriage is possible, but it is the sole privilege of women. Women have a highly-respected position in the village, as they are also responsible for the various important rituals and ceremonies. The fact that only women are the intermediaries between the living and the spirits is another proof of the very special and important position of the woman in the Bijagó society.

One thing that was very special for me was being allowed to photograph even women and men who have already undergone the initiation ritual called fanado.

In this ritual women as well as men go separately into a “sacred forest” for at least six months and must complete certain traditional ceremonies and rituals that are kept strictly confidential.

Chosen people make many small cuts and figures with a type of razor blade on their bellies, backs and arms.

The initiates stay in a bamboo hut located in the jungle until they have overcome their pain.

For a time before and also after fanado they are not allowed to have any contact with those of the opposite sex. Communication and sexuality are strictly forbidden for a time span of six months up to four years, depending on the island.

Those who have successfully completed this voluntary ritual attain a particularly high level of status in their community.

 

 

DIE BIJAGOS

MATRIARCHALE MUSTER IN GUINEA-BISSAU

 

Die Bijagós sind ein westafrikanisches Volk, die den Bijagós-Archipel vor der Küste Guinea-Bissau bewohnen. Die tropische Inselgruppe besteht aus 88 Inseln, von denen nur 20 bewohnt sind. Die anderen Inseln sind heiliges Land.

Die Fotos sind auf den Inseln Canhabaque, Bubaque, João Vieira, Meio, Uno und Poilão entstanden.

 

Die Menschen leben in kleinen Dörfern und bewohnen Lehmhäuser mit Strohdächern.

In der Gesellschaft der Bijagós finden sich heute noch teilweise matriarchale Muster.

Die Frauen sind im Besitz der Häuser, kümmern sich um die Familie und organisieren die Arbeit.

 

Der Tradition folgend wählen sich Frauen ihren Mann aus. Wenn sie sich für einen Mann entschieden haben, stellen sie eine Schale mit Reis vor die Hütte der Familie des Auserwählten. Wird dieser gegessen, ist dies das Zeichen der Akzeptanz des Antrags. Die Auflösung der Ehe ist möglich, ist aber alleiniges Privileg der Frauen.

Frauen haben im Dorf eine hoch respektierte Stellung, da sie auch für die diversen wichtigen Rituale und Zeremonien die Verantwortung tragen.

 

Erfreulicherweise konnte ich einige Frauen porträtieren, die noch diese matriarchalen Traditionen gelebt haben. Denn die Mehrheit der jungen Generation folgt diesen Traditionen aufgrund diverser äußerer Einflüsse nicht mehr.

 

Eine Besonderheit für mich war, dass ich auch Frauen und Männer, die das Initiationsritual namens „Fanado“ bereits erfahren haben, fotografieren durfte.

Bei diesem Ritual gehen sowohl Frauen als auch Männer für mindestens sechs Monate getrennt in den „heiligen Wald“ und müssen bestimmte traditionelle Zeremonien und Rituale, die streng geheim gehalten werden, vollziehen.

Auserwählte Personen fügen ihnen in Bauch, Rücken oder Oberarm viele kleine Schnitte und Zeichnungen mit einer Art Rasierklinge zu.

In einer im Dschungel liegenden Bambushütte bleiben die Initiierten dann solange bis sie ihre Schmerzen überwunden haben.

Vor und auch eine Zeit lang nach dem „Fanado“ dürfen sie mit dem anderen Geschlecht keinen Kontakt haben. Kommunikation und Sexualität sind für die Zeitspanne von mindestens sechs Monaten bis zu vier Jahren, abhängig von der Insel, strikt verboten.

Nach dem Absolvieren dieses freiwilligen Rituals erreichen die Menschen eine besonders hohe Anerkennung in ihrer Gesellschaft.

 

Maria Haas